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Der öffentlicher Personennahverkehr bei Nacht spielt eine Schlüsselrolle dabei, Städte auch außerhalb der Tageszeiten zugänglich und lebendig zu halten. Dies war das Thema des UITP -Webinars zur Bus „Nachtschicht“: Lasst uns über Bus diskutieren. 

Experten von Betreibern, Behörden, Planern und der Branche tauschten sich darüber aus, wie Städte effektive Nachtbusnetze gestalten und gleichzeitig Herausforderungen in Bezug auf Sicherheit, Reiseverhalten und betriebliche Einschränkungen bewältigen können. 

Eine der zentralen Botschaften war, dass man ein System nicht einfach auf ein anderes übertragen kann und dass die nächtliche Mobilität unterschiedliche Planungsansätze erfordert, die den spezifischen Merkmalen jeder Stadt, einschließlich ihrer räumlichen Struktur, der Aktivitätsorte und der Bewegungsmuster nach Einbruch der Dunkelheit, gerecht werden. 

Viele der Botschaften und Planungsempfehlungen sind auch auf die Netzwerkplanung tagsüber anwendbar. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die traditionelle Transport oft auf vereinfachten Pendelmustern zwischen Wohnort und Arbeitsplatz basiert, die tendenziell die Job von Männern widerspiegeln.

Viele Mobilität sind jedoch komplexer. Das Reiseverhalten von Frauen umfasst aufgrund von Betreuungspflichten und täglichen Aktivitäten oft mehrere zusammenhängende Fahrten im Laufe des Tages und Abends.

Die Berücksichtigung dieser geschlechtsspezifischen Mobilität , wie beispielsweise die Tatsache, dass Frauen aufgrund von Betreuungspflichten oder Besorgungen mehrere Fahrten unternehmen, ist unerlässlich, damit die Transportsysteme den Bedürfnissen aller Nutzer gerecht werden können. 

Frauen neigen dazu, nach Einbruch der Dunkelheit seltener öffentliche Beförderung zu nutzen, daher befinden wir uns bereits in einer Art inoffizieller Ausgangssperre.
Dr. Nourhan Bassam, CEO The Gendered City 

Ein zentrales Thema der geführten Diskussion war der Zusammenhang zwischen nächtlicher Mobilität und dem empfundenen Sicherheitsgefühl. Die im Rahmen der Sitzung vorgestellten Forschungsergebnisse zeigten, dass das Reiseverhalten bei Nacht stark von Sicherheitsbedenken beeinflusst wird, insbesondere bei Frauen. 

In diesem Zusammenhang wurde hervorgehoben, dass das Erlebnis der Nutzung öffentlicher Personennahverkehr bei Nacht über das Fahrzeug selbst hinausgeht. Das städtische Umfeld spielt eine wichtige Rolle dabei, wie sicher sich die Fahrgäste bei Reisen nach Einbruch der Dunkelheit fühlen.

Die Fußwege zur Haltestelle, die Wartebereiche und der letzte Teil der Reise können das allgemeine Sicherheitsempfinden stark beeinflussen. Faktoren wie gute Beleuchtung, klare Sichtverhältnisse, transparente Unterstände und die Aktivität rund um die Haltestellen können das Erlebnis des Nachtreisens deutlich verbessern. Aus diesem Grund müssen Transport und Stadtgestaltung bei der Betrachtung der nächtlichen Mobilität gemeinsam betrachtet werden. 

Das Beispiel Barcelona

Die Metropolregion Barcelona teilte ihre Erfahrungen mit dem Bus , das 18 Gemeinden in der Region zu Zeiten verbindet, in denen das Schienennetz oder das Busnetz tagsüber nicht in Betrieb ist.

Tagsüber sind in Barcelona etwa zwei Drittel der Busfahrgäste Frauen, nachts liegt der Frauenanteil bei etwa 52 % und der Männeranteil bei etwa 48 %.

Das Netzwerk hat Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Vertrauens mit einem feministischen Ansatz eingeführt, darunter eine verbesserte Beleuchtung in Bushaltestellen und bedarfsgesteuerte Ausstiegshaltestellen, die es Frauen und Minderjährigen ermöglichen, näher an ihrem Ziel auszusteigen, wenn dies sicher ist. 

Bei einer steigenden Anzahl von Anfragen, aber einem sehr geringen Anteil an der Gesamtnutzung, bietet es eine echte Lösung, wenn sich eine Frau unwohl oder unsicher fühlt, ohne dass dies größere Auswirkungen auf den Betrieb in Barcelona hat. Eine zentrale Empfehlung aus Barcelona war, mit einem Pilotprojekt zu beginnen und den geografischen Umfang schrittweise auszuweiten. 

Die Sitzung schloss mit einer angeregten Diskussion und einer Fragerunde, in der die Teilnehmer operative Erkenntnisse austauschten und darüber nachdachten, wie Städte Sicherheit, Stadtplanung und integrative Perspektiven besser in die Planung der nächtlichen Mobilität integrieren können. 

Dieses Webinar bot nur einen flüchtigen Einblick in ein Thema, das eine viel eingehendere Auseinandersetzung verdient. Viele Fragen bleiben offen, und viele weitere müssen erst noch gestellt werden. Wir freuen uns darauf, die Diskussion fortzusetzen und dieses und viele andere Themen in zukünftigen Bus Talks zum Thema Netzwerkplanung näher zu beleuchten. 
Manel Rivera Bennassar, Bus Manager, UITP 

Was sind die Bus Talks zur Netzwerkplanung?

Die Webinarreihe „Bus Talks on Network Planning“ ist eine Initiative der Mitglieder des Arbeitskreises „Bus Network Planning“ des UITP Bus . Die Reihe wird Fachwissen und aktuelle Veröffentlichungen präsentieren und die Diskussion mit verschiedenen Interessengruppen im Bereich Netzwerkdesign und -betrieb anregen.

Die Reihe wird aus einer Reihe von Webinaren bestehen, die sich über das Jahr 2026 erstrecken und sukzessive angekündigt werden. Sie stehen UITP Mitgliedern offen und sind ausnahmsweise auch für Nicht-Mitglieder zugänglich.

In jeder Sitzung kommen ÖPNV-Fachleute von Betreibern, Behörden, Städten und der Industrie zusammen, um praktische Erkenntnisse über wichtige Busthemen auszutauschen, die die urbane Mobilität von heute prägen. Im Fokus stehen dabei reale Erfahrungen, gewonnene Erkenntnisse und neue Trends, um eine bessere Entscheidungsfindung bei der Planung und dem Betrieb von Bussen zu unterstützen.

Das nächste Webinar der Reihe wird sich mit dem Einfluss von verkehrsberuhigenden Maßnahmen auf Busnetze befassen. Hierzu werden derzeit weltweit Anwendungsfälle in einer Umfrage gesammelt.